Auch wenn die Chemie im Rückblick von Männern dominiert wurde, gab es immer schon Frauen, die sich davon nicht einschüchtern ließen. Mit Wissensdrang, Hartnäckigkeit und einem Schuss Zivilcourage gingen sie ihren Weg in die Wissenschaft, und das in einer Zeit, in der es noch nicht üblich war, dass Frauen Abitur machen, studieren und dann auch noch ihren Beruf ausüben. Leider wurden ihre Leistungen bei Ehrungen, wie der Vergabe von Preisen oder als Namensgeberinnen, nicht berücksichtigt.
Damit diese ersten Frauen in der Chemie nicht in Vergessenheit geraten, haben Prof. Dr. Eberhard Ehlers und Prof. Dr. Heribert Offermanns im Jahr 2020 die Initiative ergriffen, sie posthum zu würdigen und ihre spannenden und vielfältigen Karrierewege in Kurzporträts aufzuzeigen. Die GDCh stellt diese Porträts der ersten Chemikerinnen (bis 1939 geborene) auf diesen Webseiten vor. Lassen Sie sich beeindrucken und inspirieren von der Leistungskraft und Begeisterung der frühen Chemikerinnen für ihren Beruf.


Wenn wir uns die Preise und Auszeichnungen in der Chemie anschauen, begegnen uns fast nur namhafte Männer. Ist die Chemie eine reine Männerdomäne?
Heute sicher nicht mehr! Aber bis zum Jahr 2025 gingen die verliehenen Nobel-Preise an 827 Männer, 64 Frauen (7,2%) und 28 Organisationen (ohne den Nobelpreis für Wirtschaft; Quelle). In der Chemie zählen wir (Stand 2025) acht Nobel-Preisträgerinnen von insgesamt 198 ausgezeichneten Personen (3,8%). Fünf dieser Wissenschaftlerinnen wurden seit 2009 ausgezeichnet. (Quelle)
Carolyn Bertozzi (2022)
Emmanuelle Charpentier (2020)
Jennifer Doudna (2020)
Frances H. Arnold (2018)
Ada Yonath (2009)
Dorothy Crowfoot Hodgkin (1964)
Irène Joliot-Curie (1935)
Marie Curie (1911)
In der Kategorie Physiologie/Medizin wurden bisher 14 Frauen mit dem Nobelpreis geehrt, darunter auch die deutsche Biologin und Biochemikerin Christiane Nüsslein-Volhard.
Aktuell erleben wir, dass immer mehr Frauen mit ihren wissenschaftlichen Leistungen internationale Anerkennung erlangen. Aber bis nach ihnen Preise benannt werden, wird es noch dauern, da dies häufig erst nach deren Tod erfolgt. Um die Chancengleichheit und Sichtbarkeit von Frauen im wissenschaftlichen Raum zu fördern hat die GDCh im Jahr 2020 den alle zwei Jahre vergebenen Hildegard-Hamm-Brücher-Preis für Chancengleichheit in der Chemie eingerichtet – ein klares Bekenntnis für mehr Chancengleichheit in der Chemie.
Aber schon immer gab es Frauen, die sich von den gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht abhalten ließen, Chemie zu studieren. Trotz vieler Hürden und mancher Anfeindungen erlangten sie häufig die Anerkennung der Männer, mit denen sie zusammenarbeiteten – darunter auch Nobelpreisträger. Einige dieser Frauen stellen wir auf diesen Seiten vor.
Die GDCh dankt ganz herzlich den beiden Autoren und Prof. Dr. Barbara Albert, TU Darmstadt, für ihre konzeptionelle Beratung.
Hinweis
Die in dieser Reihe veröffentlichten Texte erheben nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Veröffentlichung. Autoren und andere beteiligte Personen sind keine wissenschaftshistorischen Expertinnen und Experten. Zweck der Reihe ist es, die meist unbekannten Chemikerinnen vorzustellen und an die bekanten Chemikerinnen zu erinnern. Leserinnen und Leser, die mehr wissen wollen, möchten wir ermutigen, wissenschaftliche Quellen zu den vorgestellten Frauen zu studieren. In einigen Fällen gibt es ausführliche chemiehistorische Arbeiten.
Schon 2003 hat der GDCh-Arbeitskreis für Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) unter Leitung ihrer damaligen Vorsitzenden Dr. Marion Hertel eine Broschüre "Chemikerinnen – es gab und es gibt sie" mit sieben Porträts und zwei Interviews herausgebracht. Auch diese Portraits beschreiben eindrucksvolle Frauen mit interessanten Lebenswegen.

Die Seniorexperten Chemie (Senior Expert Chemists; SEC) der GDCh sammeln Erfahrungsberichte, Geschichten, Anekdoten, Bilder und Zeitdokumente zum Studium der Chemie und zur Berufswahl in den 1950er- bis 1980er-Jahren. Die bisher eingegangenen Beiträge finden Sie hier.